Leben und Werk der Christine Koch (1869-1951)

 

Wenn sich eine Schule den Namen von Christine Koch gibt, so ist das im Sauerland nicht ungewöhnlich. Steht diese Schule auch noch in der Gemeinde Eslohe, dann erscheint eine solche Namensgebung fast schon selbstverständlich. Ist doch die "Sauerländer Nachtigall", wie Christine Koch liebevoll genannt wird, ein Kind unserer Gemeinde.
Am 23. April 1869, vor einem Jahr war ihr 125. Geburtstag, wurde Christine Koch, geb. Wüllner, in Herhagen bei Reiste geboren. Nach ihrer Schulzeit in Reiste und einem kurzen Aufenthalt auf dem elterlichen Hof besuchte sie von 1885 - 1887 das Lehrerseminar in Duderstadt. Ihre Prüfung legte sie in Hannover ab und bekam ihre erste Anstellung als Lehrerin in Niedermarsberg.
Von 1888 bis 1902 unterrichtete sie in Padberg und wechselte dann wohl wegen des rauen sauerländischen Klimas ins Ruhrgebiet. Dort war sie Hauptlehrerin in Vogelheim bei Essen, bevor sie 1905 den Land- und Gastwirt Wilhelm Koch in Bracht heiratete und ins heimische Sauerland zurückkehrte. Damit schied sie allerdings aus dem Lehrberuf aus. Sie wurde Mutter von vier Kindern und lebte jetzt das einfache, harte Alltagsleben einer Landfrau.
Das Plattdeutsche war vor Christine Koch höchstens Umgangssprache, musste herhalten für ländlich derbe Ausdrucksweise, diente dem Erzählen von lustigen Anekdoten und Possen, es war aber nicht geeignet, wie man glaubte, vor allem jungen Menschen die nötige Bildung zukommen zu lassen. Diese Ansicht hat sich bis in die Gegenwart gehalten und ist die entscheidende Ursache dafür, dass die plattdeutsche Mundart Gefahr läuft, ganz auszusterben. Es dauerte bis zu Christine Kochs 55. Lebensjahr, ehe ihr erstes Buch "Wille Räusen" 1924 erschien. Für den Sauerländer und Westfalen sind diese farbkräftigen Gedichte ein bleibendes Denkmal für den sprachlichen Reichtum dieses Raumes. Sie vermitteln uns eine Ahnung, welche menschliche Geborgenheit eine Sprache bedeuten kann, die mit ihrem Land und ihren Leuten identisch ist. Ihre große Liebe zur Natur, zur Heimat und zu den Menschen spricht aus ihren Texten.
Typisch für Christine Koch: Ihr zweites Werk "Sunnenried" gab nicht sie heraus, sondern ihre Freunde veröffentlichten es zu ihrem 60. Geburtstag. Dazu gehörten neben Josefa Berens-Totenohl auch der spätere Bundespräsident Dr. Heinrich Lübke. Sicher verkürzt, aber dennoch aussagekräftig, lässt sich Christine Kochs Leben und Werk auf folgende Begriffe festlegen, die aber keine Vollständigkeit beanspruchen:
Natur, Heimat, Mensch, Glaube
Als "Bauernkind" wie selbstverständlich naturverbunden, dafür spricht eine Vielzahl ihrer Gedichte, zeugen ihre Texte und Gedichte ferner von einer großen Liebe zur Heimat. "Der ideologische 'Patriotismus' der im Kaiserreich Aufgewachsenen, zumal wenn sie dem Lehrerstand zugehörten, erscheint nahezu obligat" (Liäwensbauk S. 100). Doch ging Christine Kochs glühende Vaterlandsliebe nicht so weit, dass sie sich hätte von der braunen Nazidiktatur beeinflussen lassen. Ein Grund für Christine Kochs Abständigkeit zum Nationalsozialismus liegt sicher auch in ihrer tiefen Verwurzelung im katholischen Glauben, viele Verse zeugen davon. Auch ihre Gedichte unter der Rubrik "Vagantenlaier" zeugen von ihrer christlichen Grundhaltung, wenn sie den Fremden, fahrendes Volk oder Zigeuner als Bruder, als Nächsten ansehen. Das, was sie sagt, hat sie vor allem auch gelebt, ihr gastliches Haus stand allen offen, vor allem aber den Armen und Fremden. Hier bekommen Christine Kochs Gedichte sogar sprichwörtliche Aktualität.
Eine solche Ehrung wie die Namensgebung von Christine Koch für unsere Schule passt natürlich nicht zu ihrer zurückhaltenden Art. Sie nennt sich ein "Hiärguattsschreywerlain" und sagt: "Still is meyn Daun un slicht meyn Woort, ik giewe nix fiär Prunk un Stoot." Während des 2. Weltkrieges und danach lebte Christine Koch in aller Stille zurückgezogen in Bracht bis zu ihrem Tod am 18. April 1951.
Auch wenn Christine Koch sich gegen diese Namensgebung in ihrer sprichwörtlichen Bescheidenheit gewehrt hätte, ist es für unsere Schule eine hohe Ehre und Verpflichtung, ein großes Kind unserer Gemeinde auf diese Weise ehren zu dürfen. (Walter Schulte)


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